Wintermärchen

Dezember 2012

Ein Tag für die meteorologische Geschichtsschreibung am Niederrhein. Am 7. Dezember setzte morgens starker Schneefall ein und zwölf Stunden später lag die Region unter einer 20 cm hohen Puderzuckerschicht. Das kam unerwartet, sorgte für reichlich Unfälle und Staus, und nahm aus jeder Hektik ordentlich Tempo heraus. Zumindest die Kinder freuten sich ohne Wenn und Aber und im Handumdrehen waren die Schlitten, Mützen und Handschuhe hervorgeholt.

Der nächste Morgen präsentierte sich so wie man ihn sich wünscht: kalt, sonnig und wie ein Wintermärchen. Was das angeht, ist man hier nicht sonderlich verwöhnt und deshalb braucht es wohl auch einige Zeit bis Wege, Autos und Erwachsene auf Winterbetrieb ein- und umgestellt sind. Aber auch die Natur war überrumpelt worden. Viel Herbstlaub hing noch an Ästen war nun schockgefrostet. Gräser und andere Pflanzenteile in Bodennähe waren weitgehend verschwunden und konnten sich nur vereinzelt behaupten.

Von der Niersaue kroch eine seltsame Form von Boden- und Hochnebel über die Landstraße in Richtung Höhenzug und behinderte phasenweise die fahrenden Frühaufsteher. Dort wo sonst die ortskundigen Anwohner auch gerne mit mehr als 100 km/h über Land flitzen, war jetzt Tempo 30 angesagt. Alles langsamer, stiller und intensiver: ein perfektes Entschleunigungsprogramm von Mutter Natur. Mir hat es gefallen, obwohl die morgendlichen 8 Grad minus dem Akku und meinen Händen ordentlich zugesetzt haben.

Leider war die Prognose für die nächsten Tage nicht sehr vielversprechend. Es sollte nach kalter Nacht mit den Temperaturen wieder hoch gehen, Tauwetter mit Schneeschauern und danach Regen. Es blieb tatsächlich nur ein kurzes Intermezzo und dann kehrte das Schmuddelwetter zurück. Schnee und Niederrhein passen wohl auf Dauer nicht zusammen, aber wenn es mal klappt, ist es sehenswert.