Toskana

April 2012

Geschichte, Kultur, Klima, Natur und Lebensart in einmaliger Kombination – das reklamieren viele Regionen als Alleinstellungsmerkmal für sich. Meinem Ideal kommt die Toskana am nächsten und in den letzten Jahren hatte ich mehrfach Gelegenheit, diesen Landstrich zu entdecken und dort zu fotografieren.

Nach einem Kurztrip im Februar und mehreren Reisen im Hochsommer stand jetzt ein Besuch im April an. Die üblichen Klischees über die toskanische Landschaft werden durch die unzähligen Hügel bestätigt, die das Land durchziehen. Und wenn dann noch ein Gebäudekomplex wie hier irgendwo zwischen Forcoli und Volterra auf der Hügelkuppe thront und von Zypressen umrahmt wird, kann ich die touristische Standardgleichung „Hügel + Zypressen + blauer Himmel = Toskana“ nur bestätigen. Prägender und beeindruckender als die zweifelsfrei ansehnliche Hügellandschaft finde ich das Licht in Norditalien. Auch an einem trüben Tag wirkte die Szenerie keineswegs grau und trostlos. Das satte Grün der Wiesen und Felder in Verbindung mit den kräftigen Gelb- und Rottönen der Häuser sorgte auch an diesem typischen Apriltag für eine besondere Stimmung.

Die kräftigen Regenschauer, die vom Monte Pisano in Richtung Florenz zogen, hatten ihren eigenen Charme und waren vermutlich selbst für italienische Verhältnisse nicht alltäglich. Aus sicherer Entfernung zu beobachten, wie sich binnen Minuten dichte Wolken- und Regenbänder von den Bergen ins Arnotal wälzten, hatte seinen Reiz. Irgendwann wurden aber auch Naturschauspiele wie diese ermüdend und ich hätte sie gerne gegen etwas mehr Postkartenidylle mit viel Sonne eingetauscht.

Da es auch anders geht, hatte sich wenige Abende vorher gezeigt, als mir dieses unvermeidliche Hügel-Wiesen-Himmel Arrangement begegnete. Es scheint einen mit seiner Farbintensität regelrecht anzuschreien, ereignete sich tatsächlich aber in völliger Stille und Einsamkeit. Mit hat es gefallen und ich hätte gerne noch mehr solcher Momente erlebt. Den atmosphärischen Schlusspunkt und visuellen Höhepunkt dieser Reise setzte für mich aber dieser Himmel kurz nach Sonnenuntergang. Man bekommt eine Ahnung, wo Caravaggio und andere Maler Anregungen für das meisterhafte Spiel mit Licht und Schatten in ihren Werken gefunden haben. Ich bleibe dabei: Das Licht macht die Toskana so unverwechselbar und intensiv.