Rhythmus

Februar 2012

Es hat also sage und schreibe 48 Jahre gebraucht, bis ich eine Vorführung mit  professionellen Bühnentänzern gesehen habe – und es hat sich gelohnt. Es wurden vier Szenen von der Antike bis in die Neuzeit gezeigt, davon zwei Uraufführungen. Mit für mich ungewohnten Ausdrucksformen visualisierte das Ensemble unter anderem Dynamik, Dramatik und Leidenschaft. Dabei wechselten die Szenen und Tänzergruppen in schneller Folge und ließen dem Publikum kaum Zeit zum Luftholen.

Bei der klassischen Ballettaufführung fiel mir auf, wie durchtrainiert und geradezu knochig und sehnig die meisten Tänzerinnen wirkten. Sie verzogen keine Miene und wirkten sehr konzentriert, nichts durfte die einstudierte Choreographie stören. In der Gruppe der fünf Ballerinen schien mir jede mit jeder stumm zu konkurrieren. Der Schlussapplaus wurde eher huldvoll entgegengenommen als genossen.

Im Vergleich dazu überraschte die fast schon ungezügelte Startszenerie mit ausgelassener Bewegungsfreude und popoulärer Musik der 1970er und 1980er Jahre. In engen Jeans, Lederjacken und Flanellhemden kamen die Tänzer gehörig ins Schwitzen während die Frauen in luftigen Kleidern umherwirbelten. Schließlich zeigten die Tänzer ein körperbetontes, humorvolles und geradezu artistisches Finale, das besonders das weibliche Publikum ansprach und zu begeisterten Zwischenrufen veranlasste. Alles in allem ein unterhaltsamer und faszinierender Abend, leider in einem nur halb gefüllten Theater.