Monate: März 2015

Geist

Ein seltsamer Geist vor einem Esprit-Geschäft in der Hamburger City an einem Samstagmorgen. Was wie ein unverfängliches Wortspiel klingt, hatte einen ernsten Hintergrund. Der Mann mit der Lederjacke irrte ziellos durch die Straße, führte Selbstgespräche und sprach vereinzelt Passanten an. Ob er etwas verkaufen wollte oder nur seine Botschaft platzieren wollte, war für mich nicht klar erkennbar. Sein ganzes Auftreten war eine Mischung aus Ich-Bezogenheit, Hilflosigkeit, Eifer und latenter Aggression. Auffällig war das Buch, das er behutsam vor sich trug und das einen Schutzumschlag mit arabisch aussehenden Schriftzeichen hatte. Beim Vorbeigehen hörte ich Wortfetzen wie „Tod“, „Ausrottung“ und „Salafisten“. Und dann stürmte er plötzlich davon. Eine bizarre Situation und ich kann nicht mit Bestimmtheit sagen, ob er alkoholisiert war oder unter anderen Drogen stand und wie ernst man ihn mit seinem – welchen? – Anliegen nehmen muss. Für mich war er weder einer pro- noch einer anti-islamistischen Gesinnung zuzuordnen, aber in jedem Fall ein „esprit tordu“.

Verlassen

Verlies

Dies ist kein angenehmer Ort und zum Glück ist er verlassen. Der Raum liegt in einem repräsentativen und denkmalgeschützten Gebäude in der Innenstadt. Das Licht, das von rechts oben auf den Stuhl fällt, kommt durch ein Fenster auf Bürgersteighöhe. Draußen fahren pausenlos Autos die Hauptstraße entlang und hier unten wurde gelebt. Es ist wohl schon rund 15 Jahre her, aber dieses Zimmer war Teil einer Hausmeisterwohnung. Wenig Licht, starke Feuchtigkeit im Gemäuer, abblätternder Putz und die muffige Luft – bloß raus hier.

Pictorialismus

Pictorialismus

Da fährt man nichtsahnend durch die einsameren Landstriche des Niederrheins und ärgert sich über den penetranten Nieselregen, der so gar nicht zum vorherigen Sonntag passt. Dann fallen die leicht schrägstehenden Bäume ins Auge, die sich vor dem trüben Morgenhimmel abheben: ein brauchbares Motiv. Allerdings, aussteigen ist bei diesem Wetter für Kamera und Mensch nicht so prickelnd. Der Tropfenschleier auf der Windschutzscheibe sieht ja irgendwie interessant aus. Was passiert denn, wenn man leicht defokussiert und dann durch den Wasserfilm fotografiert? Et voilà, ohne Plan und Wissen wird man zum Vertreter des Pictorialismus.

Rheinknie

Rheinknie

Flüsse haben kein Skelett, aber der deutsche Strom schlechthin hat ein Rheinknie und das mehrfach. Das große Knie mit der schicken und exklusiven Kniescheibe namens Oberkassel ist also kein Alleinstellungsmerkmal im Flussverlauf. Aus 168 Meter Höhe war die markante Kurve sehr gut zu erkennen und die enorme Fliessgeschwindigkeit und die Kurvenenge verlangte den langen Transportschiffen einiges ab. In Verbindung mit den wechselhaften Wetter- und Lichtverhältnissen war das dort unten eine entspannte bis dramatische Szenerie. Und irgendwie wirkte das alles sehr malerisch.