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So geht Winter...

Winter I

Im mittlerweile ja spätherbstlich daher kommenden Winter, den ich eher als mediterran angehauchten Irrläufer beschreiben möchte, geschah das Unerwartete: Schneefall. Keine wirklich großen Mengen und für Tiroler Verhältnisse geradezu der blanke Hohn, aber immerhin. Also raus und die angezuckerte Natur erleben.

Alles wird irgendwie stiller, beschaulicher und hat plötzlich meditative Tiefe. So ragen zum Beispiel hartnäckige Pflanzenreste aus der dünnen Schneedecke und behaupten sich. Das Ganze wird als gerahmte Fotocollage meine neue „Butze“ verschönern.

Sade

Sade

Sade ist eine britische Band, die im Jahr 1983 gegründet wurde, und nicht nur der verkürzte Name der Sängerin Helen Folasade Adu. Erstmals habe ich Sade im Jahr 1986 in Hamburg live erlebt und das hat meinen Musikgeschmack nachhaltig geprägt. Meine Begeisterung für diese Band hat zwischen den wenigen Neuerscheinungen und den noch selteneren Tourneen einiges an Durststrecken verkraften müsssen, ist aber nie ernsthaft auf die Probe gestellt worden. Vor vier Jahren geschah das Unerwartete: eine Deutschlandtournee! Ich war in Köln und Dortmund dabei und hin und weg.

Die Band, die größtenteils immer noch in Originalbesetzung spielt, überzeugte als Ganzes mit musikalischer Virtuosität und einer aufwändigen Bühnenshow. Mit ihrer samtweich-rauchigen Stimme und einer fesselnden Bühnenpräsenz gelang es der 52-Jährigen mühelos, das Publikum fest in ihren Bann zu ziehen. Unverwechselbar, authentisch, eigensinnig und unnahbar – diese Mischung trotzt dem Zeitgeist. Wird es nochmals eine Tournee geben oder war das ein endgültiger Abschied? Ich warte also und habe immerhin knapp 1.800 Fotos auf beiden Konzerten geschossen. Das ist ziemlich irre, fühlt sich aber gut an. 😉

Morgens

Morgens

Ein kurzer Abstecher morgens gegen 9 Uhr an die Niers. Es herrschte eine besondere Stimmung auf dieser frühen Rundtour: Die Sonne kämpfte sich durch den Hochnebel und die ersten Hundebesitzer, vereinzelte Jogger und ambitionierte Fahrradfahrer waren trotz der unangenehmen Kälte schon unterwegs. Unerwartet tauchten eine Frau und ein Mann auf dem morastigen Pfad neben den Bäumen auf. Es bleibt mir unerklärlich, wo sie urplötzlich herkamen.

Waldeslust

Waldeslust

Irgendwie komme ich in diesem und im letzten Jahr von Bäumen und Wäldern nicht los. Das liegt wohl daran, dass meine Wege kurz sind. Mir gefällt die Ruhe und diese magische Stimmung, die so mühelos nur mit Lichtstrahlen zwischen Baumstämmen entsteht. Waldeslust ist die vermutlich typisch deutsche Verklärung eines Biotops. Brombeeren und Borkenkäfer sehen das bestimmt pragmatischer.

Scheinwelt

Scheinwelt

Die unberührte Natur, der majestätische Baum und die Lichtstimmung in zart-rosa: ach, wie schön. Von wegen, es war nur eine Scheinwelt. Es war nasskalt, die Wiese ähnelte mehr einem Sumpf und in dem schmalen Graben zur Rechten stand verdächtig klares Wasser über einem rostroten Untergrund. Mehrere Rehe und ein Reiher suchten hier nach Nahrung. Aufgescheucht durch mein Erscheinen verließen sie ihr Revier zwischen der Landstraße und einer langen Reihe von Hochsitzen. Am Ende also kein heimeliges Naturschutzgebiet, sondern eine Mischung aus Speisekammer und Gefahrenzone.

Lost

Lost

Lost – nicht die gleichnamige Fernsehserie, sondern in diesem Fall ein verlassener Ort im Dortmunder Stadtgebiet. Das Hochhaus mit der glänzenden Fassade beherbergte bis vor zehn Jahren eine Brauerei und jetzt nagt der Zahn der Zeit kräftig an der Bausubstanz.

Lost

Neben der Natur nehmen auch unsichtbare Menschen diese Ruine in Beschlag – und sie hinterlassen teils sehr eindeutige Botschaften. Wer sich hier über was auch immer aufgeregt hat, diese eine Textnachricht war eindeutig. Nahezu alle Flächen sind von Sprayern genutzt und bearbeitet worden.

Lost

Trotz Müll, Schutt und einem wilden Durcheinander kann ich in diesem Chaos sogar eine eigene Ästhetik entdecken. Allerdings schien an diesem Tag die Sonne und es war angenehm warm. An einem verregneten Novemberabend wäre die Anmutung definitiv eine andere.

Lost

Damit war allerdings Schluss, als ich am Ende meines kurzen Rundgangs das geflutete Erdgeschoss entdeckt und betreten habe. Eine surreale Szenerie, die als Kulisse für jeden Gruselschocker dienen kann.

 

Schwalm

Schwalm

Im deutsch-niederländischen Grenzgebiet, ungefähr auf Höhe von Mönchengladbach, fließt die Schwalm. Ein kleiner Fluss, der auf deutscher Seite eher stark begradigt daher kommt und in der Provinz Limburg natürlich mäandert. Er ist namengebender Teil des Naturpark Maas-Schwalm-Nette, der auf seinen rund 10.000 ha reichlich Heide, Wald, Wild und Wasser bietet.

Schwalm

Hier ist urwüchsige Landschaft zu bestaunen, die ich für meinen Teil nicht erwartet hatte. Graugänse, Libellen, Nattern, Wacholder, Ginster, Heide, Sumpfdotterblumen, Morast, Tümpel und mehr prägen den Gesamteindruck. Alle Wege sind perfekt ausgeschildert und in Acht nehmen muss man sich nicht vor Wildschweinen und Co., sondern vor den zahlreichen Fahrradfahrern, die immer wieder von hinten angebraust kommen.

Schwalm

Paparazzo

Paparazzo

Menschen mit der Kamera nachzustellen und dabei keine Grenzen zu akzeptieren, ist das „Markenzeichen“ eines Paparazzo. Oft sind es Prominente, denen Fotografen hauptberuflich und raffiniert nachstellen, doch manche der Verfolgten wissen sich zu wehren. Mal mit deutlichen Worten und Taten oder mit Hilfe der Justiz und andere zeigen durch Mimik und Gestik, was sie vom Quälgeist hinter der Linse halten. Tiere sind meistens scheue oder völlig unbeeindruckte Motive. Dieses Pferd gab mir allerdings eindeutig zu verstehen, dass ich nerve. Seine Botschaft an mich war unmissverständlich und bevor mir noch das Objektiv zugesabbert oder ich einen Pferdekuss bekomme, bin ich wieder auf Abstand gegangen und habe aufgehört. 😉

Esprit tordu

Geist

Ein seltsamer Geist vor einem Esprit-Geschäft in der Hamburger City an einem Samstagmorgen. Was wie ein unverfängliches Wortspiel klingt, hatte einen ernsten Hintergrund. Der Mann mit der Lederjacke irrte ziellos durch die Straße, führte Selbstgespräche und sprach vereinzelt Passanten an. Ob er etwas verkaufen wollte oder nur seine Botschaft platzieren wollte, war für mich nicht klar erkennbar. Sein ganzes Auftreten war eine Mischung aus Ich-Bezogenheit, Hilflosigkeit, Eifer und latenter Aggression. Auffällig war das Buch, das er behutsam vor sich trug und das einen Schutzumschlag mit arabisch aussehenden Schriftzeichen hatte. Beim Vorbeigehen hörte ich Wortfetzen wie „Tod“, „Ausrottung“ und „Salafisten“. Und dann stürmte er plötzlich davon. Eine bizarre Situation und ich kann nicht mit Bestimmtheit sagen, ob er alkoholisiert war oder unter anderen Drogen stand und wie ernst man ihn mit seinem – welchen? – Anliegen nehmen muss. Für mich war er weder einer pro- noch einer anti-islamistischen Gesinnung zuzuordnen, aber in jedem Fall ein „esprit tordu“.

Verlassen

Verlies

Dies ist kein angenehmer Ort und zum Glück ist er verlassen. Der Raum liegt in einem repräsentativen und denkmalgeschützten Gebäude in der Innenstadt. Das Licht, das von rechts oben auf den Stuhl fällt, kommt durch ein Fenster auf Bürgersteighöhe. Draußen fahren pausenlos Autos die Hauptstraße entlang und hier unten wurde gelebt. Es ist wohl schon rund 15 Jahre her, aber dieses Zimmer war Teil einer Hausmeisterwohnung. Wenig Licht, starke Feuchtigkeit im Gemäuer, abblätternder Putz und die muffige Luft – bloß raus hier.